Neue Debatte um Killerspiele – Politiker fordern Verbot

Durch den Amoklauf am gestrigen Montag in Emsdetten ist es zu einem erneuten Ausbruch einer Debatte um so genannte Killerspiele gekommen. Zwar prüft die Polizei zur Zeit mit allen möglichen Mitteln wie der Täter seine Tat geplant, geprobt und am Ende ausgeführt hat, aber dennoch fordern einige Politiker auf Grund von Aussagen einiger Schüler und Lehrer schon jetzt ein Verbot von „Killerspielen“.

Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach sagte beispielsweise: „Sollte sich herausstellen, dass sich der Täter über einen längeren Zeitraum mit so genannten Killerspielen beschäftigt habe, müsse der Gesetzgeber „nun endlich handeln“". Auch die SPD hat sich für ein Verbot von „Killerspielen“ ausgesprochen. Die Grünen stehen einem Verbot jedoch kritisch gegenüber. Volker Beck, Geschäftsführer der Grünen , sagte, dass es viel ratsamer sei eine Debatte um Förderung von Medienkompetenz und einer sinnvollen Computernutzung zu führen.

Der Täter war den meisten Schülern und Lehrern bekannt. Er soll laut deren Aussagen unter anderem ein fanatischer Spieler des Spiels „Counter-Strike“ gewesen sein. Außerdem habe er einem Softair-Club angehört und sich sehr für Waffen interessiert. Durch diese Aussagen begründen diverse Politiker ihre Forderung nach einem Verbot vom Computerspielen mit Gewaltinhalt.

Ein Abschiedsbrief, welchen der Täter kurz vor seinem Amoklauf geschrieben hatte, war auf seiner persönlichen Homepage zu lesen. In dem Brief schildert er sein Leben, seine Ansichten und kündigt zugleich seine Tat an. Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer sagte in einem Interview: „Er hat unter der Sinnleere seines Lebens gelitten.“ Auch dies geht stellenweise aus seinem Brief hervor.

Es ist selbstverständlich, dass man sich mit der Tat, dem Täter und dessen Leben befassen muss. Dabei jedoch einen Schwerpunkt auf die Frage, ob die „Killerspiele“ den Täter enorm beeinflusst haben, zu legen, scheint bei den aktuellen Informationen übertrieben – Eine Forderung des Verbots von Killerspielen geradezu übereilt.

Denn wie es scheint, hatte der Amokläufer enorme psychische Schäden, die weitaus mehr Einfluss auf sein Handeln hatten als beispielsweise Computerspiele. Ein falsches Weltbild, Depressionen und ein starkes Aggressionspotential sind nur wenige von vielen Fakten, die beachtet werden müssen. Zu behaupten, dass sich der Konsum von gewalttätigen Computerspielen in keinster Weise auf den Täter ausgewirkt hat, wäre ebenso falsch. Aber das Hauptaugenmerk darf man darauf richten.

Viel wichtiger ist es sich mit dem sozialen Umfeld des Täters zu beschäftigen. Denn was aus seinem Abschiedsbrief ganz klar hervorgeht ist, dass er sich mit der Gesellschaft weder identifizieren noch arrangieren konnte. Hier kommen sicher einige Faktoren, wie zum Beispiel Familie, Freunde, Lehrer oder Mitschüler, zusammen. Auch die Computerspiele können ihren Beitrag dazu geleistet haben. Aber ob sie ein solches Gewicht, wie die Medien und die Politiker ihnen zusprechen, haben, ist unter den gegebenen Umständen an zu zweifeln.

Wichtig ist: Mit einer übereilten Diskussion ist niemandem geholfen …

 

Mehr Informationen zum Amoklauf in Emsdetten und zur Debatte um Killerspiele:

Spiegel Online: Artikel1 ; Artikel2 ; Artikel3 ; Artikel4
20 minuten: Artikel
Stern: Artikel1 ; Artikel2
FR-Aktuell: Artikel
N-TV: Artikel
N24: Artikel
Tagesschau.de: Artikel ; Video
Die Zeit:Artikel
FAZ: Artikel
Bild.de:Artikel
Netzzeitung: Artikel

// Dieser Artikel wurde von ChristianKresse verfasst

1 Antwort zu „Neue Debatte um Killerspiele – Politiker fordern Verbot“



  1. 1 Zappis Welt Trackback zu November 21, 2006 um 8:51

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